Behandlungsschwerpunkt
Rhizarthrose
Die Rhizarthrose ist der Gelenkverschleiß des Daumensattelgelenks. Sie zeigt sich als Schmerz an der Daumenbasis beim Zugreifen, Öffnen von Flaschen oder Drehen eines Schlüssels. Weil der Daumen an fast jedem Griff beteiligt ist, ist die Einschränkung im Alltag oft groß – gut behandelbar ist sie in jedem Stadium.
Typische Beschwerden
- Schmerz an der Daumenbasis bei Spitz- und Schlüsselgriff
- Kraftverlust, Dinge „rutschen aus der Hand“
- Anlaufschmerz morgens, später Dauerschmerz
- Sichtbare Verdickung und zunehmende Fehlstellung des Daumens
Diagnostik in meiner Praxis
Klinische Untersuchung mit gezielten Provokationstests des Sattelgelenks, dazu eine Röntgenaufnahme in Spezialprojektion zur Stadieneinteilung. Wichtig ist die Abgrenzung zu Sehnenscheidenentzündungen und zum Karpaltunnelsyndrom, die häufig gleichzeitig bestehen.
Nicht operative Behandlung
- Individuell angepasste Daumenorthese für Belastungsphasen
- Handtherapie: Muskelbalance, Gelenkschutztraining, Alltagshilfen
- Gezielte Infiltration ins Gelenk; je nach Befund entzündungshemmend oder gleitverbessernd
Operative Behandlung
- Resektions-Suspensions-Arthroplastik (Entfernung des Trapeziums mit Aufhängung)
- Gelenkersatz (Daumensattelgelenkprothese) bei geeigneter Knochenqualität
- Alle Verfahren ambulant, in Regionalanästhesie
Nach der Behandlung
Nach der Operation folgt eine Ruhigstellung von etwa 3–4 Wochen, anschließend strukturierte Handtherapie. Die Schmerzfreiheit stellt sich meist deutlich vor der vollen Kraft ein; die endgültige Kraftentwicklung dauert 3–6 Monate.
Anatomie: Warum gerade das Daumensattelgelenk?
Das Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis) verbindet das große Vieleckbein der Handwurzel (Os trapezium) mit der Basis des ersten Mittelhandknochens (Os metacarpale I). Beide Gelenkflächen sind sattelförmig geformt und um 90 Grad gegeneinander verdreht. Dadurch kann sich der Daumen nicht nur beugen und strecken, sondern auch abspreizen, heranführen und den übrigen Fingern gegenüberstellen – die Oppositionsbewegung, die dem Menschen den kraftvollen Griff überhaupt erst ermöglicht.
Diese Beweglichkeit wird mit geringer knöcherner Führung erkauft: Das Gelenk wird fast ausschließlich durch Bänder stabilisiert, allen voran das schräg verlaufende Beugeband (Ligamentum carpometacarpale palmare obliquum, „Beak-Ligament“). Beim festen Spitz- oder Schlüsselgriff wirken auf das kleine Gelenk Kräfte, die ein Vielfaches der eigentlichen Griffkraft betragen. Werden die Bänder mit den Jahren – oder hormonell bedingt – lockerer, kippt die Basis des Mittelhandknochens bei jeder Belastung an den Pfannenrand. Der Knorpel wird dort punktuell überlastet, verschleißt, der Gelenkspalt verschmälert sich, es bilden sich Randanbauten und Zysten. Das Gelenk entzündet sich immer wieder, die Kapsel schwillt an – die Rhizarthrose ist entstanden.

Die Stadien der Erkrankung
Der Verschleiß des Daumensattelgelenks wird nach der Einteilung von Eaton und Littler in vier Schweregrade unterteilt, die sich am Röntgenbild in zwei Ebenen und an der sogenannten Stressaufnahme orientieren. Entscheidend für die Behandlung ist allerdings nicht allein das Röntgenbild: Beschwerden und Röntgenbefund stimmen bei der Rhizarthrose häufig nicht überein. Behandelt wird der Mensch mit seinen Schmerzen und seinem Kraftverlust – nicht das Bild.

Stadium I
Reizzustand ohne Knochenveränderung
Belastungsabhängige Schmerzen am Daumenballen, im Röntgenbild ist der Gelenkspalt noch normal weit, gelegentlich sogar durch einen Gelenkerguss leicht verbreitert. Kraft und Beweglichkeit sind erhalten, die Beschwerden treten typischerweise beim Öffnen von Flaschen und Gläsern auf.
Stadium II
Beginnende Verschmälerung des Gelenkspalts
Der Knorpel wird dünner, am Rand des Sattelgelenks bilden sich erste kleine Knochenanbauten (Osteophyten) unter 2 mm. Der Daumen schmerzt schon bei alltäglichen Spitz- und Schlüsselgriffen, morgens besteht eine kurze Anlaufsteifigkeit.
Stadium III
Fortgeschrittener Knorpelverlust
Der Gelenkspalt ist deutlich verschmälert, die Osteophyten sind größer als 2 mm, der Knochen unter dem Knorpel verdichtet sich (subchondrale Sklerose) und es entstehen Zysten. Die Gelenkbasis wandert nach außen, der Daumen wirkt am Ansatz verdickt – die typische „viereckige Hand“.
Stadium IV
Vollständige Zerstörung mit Subluxation
Knochen reibt auf Knochen, der erste Mittelhandknochen ist aus der Gelenkpfanne herausgerutscht (Subluxation) und häufig ist auch das benachbarte Kahnbein-Trapezium-Gelenk (STT-Gelenk) betroffen. Der Daumen lässt sich kaum noch abspreizen, die Greiffunktion der Hand ist erheblich eingeschränkt.
Geschichte der Erkrankung
Der Verschleiß des Daumensattelgelenks wurde lange als bloße Alterserscheinung abgetan. Erst 1937 beschrieb der französische Chirurg Marc Iselin das Krankheitsbild als eigenständige Entität und prägte den Begriff „Rhizarthrose“ – von griechisch rhiza, „Wurzel“, weil der Daumen die Wurzel der Hand bildet. 1949 stellte Gervis in London die erste Entfernung des großen Vieleckbeins (Trapezektomie) als Behandlung vor; das Verfahren gilt bis heute in modifizierter Form als Referenzoperation.
1973 ergänzte Burton die Trapezektomie um eine Sehnenaufhängeplastik, 1986 beschrieben Burton und Pellegrini die bis heute verbreitete Kombination aus Trapezektomie mit Sehneninterposition und Bandzügelung (LRTI). Parallel entwickelte Eaton 1973 die Bandplastik für frühe Stadien, und 1984 legten Eaton und Glickel die noch heute gültige radiologische Stadieneinteilung vor. Seit den 1970er-Jahren – beginnend mit der Totalprothese nach de la Caffinière (1974) – stehen zudem Sattelgelenkprothesen zur Verfügung, deren moderne Generationen bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten eine sehr schnelle Wiederherstellung von Kraft und Beweglichkeit erlauben.
Epidemiologie: Wie häufig ist die Rhizarthrose?
- Häufigkeit: Die Rhizarthrose ist nach der Fingerendgelenksarthrose die zweithäufigste Arthrose der Hand. Bei über 55-Jährigen zeigen etwa 15–25 % röntgenologische Veränderungen; jenseits des 70. Lebensjahres finden sich bei bis zu 40 % der Frauen entsprechende Befunde.
- Geschlecht und Alter: Frauen sind etwa sechs- bis zehnmal häufiger betroffen als Männer, besonders nach den Wechseljahren. Das erklärt sich unter anderem durch die hormonell bedingt größere Bandlaxizität und die flachere Form der Gelenkpfanne.
- Symptomatisch oder nicht: Nur etwa ein Drittel der Menschen mit röntgenologischer Rhizarthrose hat auch Beschwerden. Umgekehrt können starke Schmerzen bereits bei geringen radiologischen Veränderungen bestehen.
- Beide Hände: In mehr als der Hälfte der Fälle sind beide Daumen betroffen, meist zeitversetzt und an der dominanten Hand stärker.
- Risikofaktoren: Familiäre Veranlagung, weibliches Geschlecht, Übergewicht, allgemeine Bandlaxizität, frühere Brüche oder Verrenkungen an der Daumenbasis (Bennett- und Rolando-Fraktur) sowie kraftbetonte, repetitive Greif- und Klemmtätigkeiten. Häufig bestehen gleichzeitig ein Karpaltunnelsyndrom oder ein schnellender Finger.
- Prognose: In frühen Stadien lassen sich die Beschwerden bei der Mehrzahl der Betroffenen mit Orthese, Handtherapie und gezielten Injektionen über Jahre gut kontrollieren. Wird operiert, sind 85–95 % der Patientinnen und Patienten dauerhaft schmerzfrei oder deutlich gebessert; die volle Kraft stellt sich über drei bis sechs Monate ein.
Die Illustrationen auf dieser Seite sind schematische Darstellungen zur Veranschaulichung und geben keinen individuellen Befund wieder.
Jede Hand ist anders: Welcher Weg für Sie der richtige ist, klären wir gemeinsam in einer ausführlichen Untersuchung und Beratung.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose.
