Behandlungsschwerpunkt

Nervenengpass-Syndrome

Periphere Nerven können an mehreren Stellen zwischen Hals und Fingerspitze eingeengt werden. Am häufigsten betrifft es den Ellennerv am Ellenbogen (Sulcus-ulnaris-Syndrom). Weil Missempfindungen und Kraftverlust auch von der Halswirbelsäule kommen können, ist eine saubere Zuordnung der Beschwerden entscheidend.

Typische Beschwerden

  • Kribbeln und Taubheit in Ring- und Kleinfinger, verstärkt bei gebeugtem Ellenbogen
  • Schmerz an der Ellenbogeninnenseite, ausstrahlend in den Unterarm
  • Abnehmende Feinmotorik, Schwäche beim Spreizen der Finger
  • Sichtbarer Muskelschwund zwischen Daumen und Zeigefinger im Spätstadium

Diagnostik in meiner Praxis

Klinische Untersuchung entlang des gesamten Nervenverlaufs, Provokationstests, Nervenmessung in Zusammenarbeit mit der Neurologie und bei Bedarf Ultraschall. So lässt sich der Engpass exakt lokalisieren – auch bei mehreren Engstellen gleichzeitig.

Nicht operative Behandlung

  • Vermeiden dauerhafter Ellenbogenbeugung, Nachtlagerungsschiene
  • Nervengleitübungen und Handtherapie
  • Behandlung begleitender Faktoren wie Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen

Operative Behandlung

  • Mikrochirurgische Dekompression (Neurolyse) des eingeengten Nervs
  • Bei Instabilität Verlagerung des Nervs nach vorne (Transposition)
  • Ambulant, in Regionalanästhesie, mit Lupenvergrößerung

Nach der Behandlung

Der Arm darf früh bewegt werden, schwere Belastung nach etwa 4–6 Wochen. Schmerzen bessern sich meist rasch; die Erholung von Gefühl und Kraft folgt dem Nervenwachstum und kann mehrere Monate dauern – deshalb ist eine frühe Operation bei nachgewiesener Schädigung sinnvoll.

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom im Bild

Der Ellennerv (Nervus ulnaris) verläuft an der Innenseite des Ellenbogens in einer knöchernen Rinne – dem Sulcus ulnaris – zwischen dem inneren Oberarmknorren (Epicondylus medialis) und dem Ellenhaken (Olekranon). Überdacht wird diese Rinne von einem straffen Bindegewebsband, dem Kubitaltunnel. Beim Beugen des Ellenbogens verengt sich dieser Kanal, der Nerv wird gedehnt und gegen den Knochen gedrückt. Kommt eine Verdickung des Bandes, ein Ganglion, arthrotische Knochenanbauten oder ein wiederholtes Herausspringen des Nervs hinzu, entsteht ein Dauerdruck: Der Nerv schwillt vor und hinter der Engstelle an und wird im Kanal selbst abgeflacht.

Anatomische Darstellung des Ellenbogens von innen: Ellennerv im Sulcus ulnaris zwischen Epicondylus medialis und Olekranon, mit Einengung im Kubitaltunnel
Innenseite des gebeugten Ellenbogens: Der farbig hervorgehobene Ellennerv zieht hinter dem inneren Oberarmknorren durch den Sulcus ulnaris und unter dem Dach des Kubitaltunnels hindurch. An der Engstelle ist der Nerv eingeschnürt, davor und dahinter aufgetrieben – das typische Bild des Sulcus-ulnaris-Syndroms.

Typische Zeichen

Kribbeln und Taubheit an Klein- und Ringfinger, oft nachts oder bei längerem Beugen des Ellenbogens (Telefonieren, Autofahren, Schlafhaltung). Später Kraftverlust beim Greifen und Spreizen der Finger, im fortgeschrittenen Stadium ein Muskelschwund zwischen Daumen und Zeigefinger.

Behandlung

Im frühen Stadium Vermeiden der Dauerbeugung, nächtliche Lagerungsschiene und Nervengleitübungen. Bleiben die Beschwerden bestehen oder zeigt die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit eine deutliche Schädigung, entlaste ich den Nerv operativ – meist als schonende Spaltung des Kanals, bei instabilem Nerv mit Verlagerung nach vorn.

Jede Hand ist anders: Welcher Weg für Sie der richtige ist, klären wir gemeinsam in einer ausführlichen Untersuchung und Beratung.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose.