Behandlungsschwerpunkt

Dupuytren-Kontraktur

Bei der Dupuytren-Kontraktur verhärtet und verkürzt sich das Bindegewebe der Hohlhand. Es entstehen tastbare Knoten und Stränge, später lassen sich einzelne Finger nicht mehr vollständig strecken. Die Erkrankung ist gutartig, verläuft aber schubweise – entscheidend ist der richtige Zeitpunkt für eine Behandlung.

Typische Beschwerden

  • Tastbare Knoten und Stränge in der Hohlhand, meist schmerzlos
  • Zunehmende Beugestellung von Ring- und Kleinfinger
  • Die Hand lässt sich nicht mehr flach auf den Tisch legen (Tisch-Test)
  • Störung beim Händeschütteln, Waschen, Greifen in Taschen

Diagnostik in meiner Praxis

Die Diagnose stelle ich klinisch: Tasten der Stränge, Messung der Streckdefizite in jedem Gelenk und der Tisch-Test. Daraus ergibt sich, ob abgewartet werden kann oder eine Behandlung sinnvoll ist – der Verlauf ist wichtiger als eine Momentaufnahme.

Nicht operative Behandlung

  • Beobachtung und regelmäßige Kontrolle, solange kein Streckdefizit besteht
  • Handtherapie und Dehnung zur Erhaltung der Beweglichkeit
  • Nadelfasziotomie oder Injektionsverfahren bei geeigneten, isolierten Strängen

Operative Behandlung

  • Partielle Aponeurektomie: gezielte Entfernung des erkrankten Bindegewebes
  • Ambulant in Regionalanästhesie, mit Lupenvergrößerung und Schonung der Fingernerven
  • Bei ausgeprägten Befunden zusätzliche Hautplastik zur spannungsfreien Streckung

Nach der Behandlung

Direkt nach dem Eingriff beginnt die Handtherapie mit Streckschiene für die Nacht. Alltagstätigkeiten sind meist nach 2–3 Wochen wieder möglich, die volle Belastbarkeit nach etwa 6–8 Wochen. Da es sich um eine Veranlagung handelt, sind Kontrollen sinnvoll.

Anatomie: Was verändert sich in der Hand?

Unter der Haut der Hohlhand liegt eine feste, dreieckige Bindegewebsplatte – die Palmaraponeurose. Sie fächert sich vom Handgelenk zu den Fingern auf und schützt die darunterliegenden Beugesehnen sowie die Fingernerven und -gefäße. Bei der Dupuytren-Erkrankung vermehren sich in dieser Platte spezialisierte Bindegewebszellen (Myofibroblasten) und lagern vermehrt Kollagen vom Typ III ein. Aus weichem Gewebe entstehen zunächst derbe Knoten, daraus im Verlauf zugfeste Stränge, die sich wie ein zu kurzes Seil zusammenziehen und den Finger in die Beugung ziehen. Die Sehnen selbst sind dabei nicht erkrankt – sie werden lediglich überlagert. Weil Nerven und Gefäße von den Strängen verlagert werden können, ist bei jeder Operation mikrochirurgische Sorgfalt entscheidend.

Anatomische Illustration der Palmaraponeurose in der Hohlhand mit Knoten und Strang zum Ringfinger
Die Palmaraponeurose fächert sich vom Handgelenk zu den Fingern auf. Der knotige Umbau und der daraus entstehende Strang (hier zum Ringfinger) verlaufen unmittelbar über Beugesehnen, Fingernerven und Gefäßen.

Die vier Stadien nach Tubiana

Zur Einteilung addiert man die Streckdefizite aller Gelenke eines Fingers. Diese Stadieneinteilung nach Raoul Tubiana ist bis heute der internationale Standard und hilft, den richtigen Zeitpunkt für eine Behandlung zu bestimmen. Als praktische Faustregel gilt: Sobald die Hand nicht mehr flach auf den Tisch gelegt werden kann (positiver Tisch-Test), sollte eine Behandlung besprochen werden.

Illustration der vier Stadien der Dupuytren-Kontraktur mit zunehmender Beugestellung von Ring- und Kleinfinger
Von links nach rechts: zunehmendes Streckdefizit von Stadium I bis Stadium IV.

Stadium I

Streckdefizit 0°–45°

Knoten und beginnende Stränge in der Hohlhand, die Finger lassen sich noch weitgehend strecken. Der Tisch-Test ist gerade eben nicht mehr vollständig möglich.

Stadium II

Streckdefizit 45°–90°

Der Strang zieht deutlich in den Finger, meist Ring- oder Kleinfinger. Händeschütteln, Waschen und das Greifen in Taschen werden spürbar behindert.

Stadium III

Streckdefizit 90°–135°

Ausgeprägte Beugestellung über mehrere Gelenke. Die Haut über dem Strang zieht sich ein, die Hand lässt sich nicht mehr flach auflegen.

Stadium IV

Streckdefizit über 135°

Der Finger liegt nahezu in der Hohlhand. Hier sind aufwendigere Eingriffe – teils mit Hautplastik – nötig, das Ergebnis bleibt häufig ein Teilerfolg.

Geschichte der Erkrankung

Erste Beschreibungen eingezogener Finger finden sich bereits im 17. Jahrhundert: Der Schweizer Arzt Felix Platter berichtete 1614 über eine krumme Fingerstellung, die er allerdings noch den Sehnen zuschrieb. 1777 beschrieb der englische Chirurg Henry Cline die Hohlhandfaszie als eigentlichen Ursprung, sein Schüler Astley Cooper empfahl 1822 die Durchtrennung der Stränge durch die Haut – im Prinzip die heutige Nadelfasziotomie.

Den Namen trägt die Erkrankung nach dem Pariser Chirurgen Baron Guillaume Dupuytren, der sie 1831 im Hôtel-Dieu öffentlich demonstrierte und 1832 ausführlich publizierte. Er wies eindeutig nach, dass die Palmaraponeurose und nicht die Beugesehne erkrankt ist, und führte die offene Durchtrennung durch. Im 20. Jahrhundert folgten die Entwicklung der teilweisen Entfernung des erkrankten Gewebes (partielle Aponeurektomie), 1968 die Stadieneinteilung nach Tubiana und ab den 1970er-Jahren die perkutane Nadelfasziotomie nach französischem Vorbild. Seit den 2010er-Jahren stehen zusätzlich Injektionsverfahren zur Verfügung. Historisch nannte man die Erkrankung wegen ihrer Häufigkeit in Nordeuropa auch „Wikingerkrankheit“.

Epidemiologie: Wie häufig ist Morbus Dupuytren?

  • Häufigkeit: In Nord- und Mitteleuropa sind je nach Studie etwa 2–3 % der Erwachsenen betroffen; jenseits des 60. Lebensjahres steigt der Anteil auf rund 10–20 %. In Deutschland geht man von etwa 1,3–1,9 Millionen Betroffenen aus.
  • Geschlecht und Alter: Männer erkranken deutlich häufiger (etwa 4–8:1) und früher, typischerweise ab dem 50. Lebensjahr. Bei Frauen tritt die Erkrankung im Mittel rund zehn Jahre später und oft milder auf.
  • Herkunft: Die Erkrankung ist bei Menschen nordeuropäischer Abstammung am häufigsten und in Asien sowie Afrika deutlich seltener – daher der historische Begriff „Wikingerkrankheit“.
  • Vererbung: Bei bis zu zwei Dritteln der Betroffenen finden sich Erkrankte in der Familie. Die Veranlagung wird meist autosomal-dominant mit unterschiedlicher Ausprägung weitergegeben.
  • Begleitfaktoren: Diabetes mellitus, Epilepsie beziehungsweise deren Medikation, Nikotin- und erhöhter Alkoholkonsum sowie wiederholte Vibrationsbelastung der Hand gehen mit einer höheren Häufigkeit einher.
  • Verlauf: Ein früher Beginn vor dem 50. Lebensjahr, Befall beider Hände, Knoten an Fußsohle (Morbus Ledderhose), Penis (Morbus Peyronie) oder Fingerknöcheln (Knuckle Pads) sprechen für eine aggressivere Form – die sogenannte Dupuytren-Diathese – mit höherer Wiederauftretensrate nach Behandlung.

Die Illustrationen auf dieser Seite sind schematische Darstellungen zur Veranschaulichung und geben keinen individuellen Befund wieder.

Jede Hand ist anders: Welcher Weg für Sie der richtige ist, klären wir gemeinsam in einer ausführlichen Untersuchung und Beratung.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose.